Warum Wharfedale Gardens? Die Geschichte hinter dem Namen
Der erste Gin von Wharfedale Gardens war ursprünglich nicht für den Verkauf bestimmt. Ich wollte weder eine Spirituosenmarke gründen noch einen neuen Trend schaffen. Ich wollte schlicht einen Gin destillieren, der genau meinen Vorstellungen entsprach. Dass daraus einmal eine eigene Manufaktur werden würde, hatte ich nicht geplant.
Doch die Geschichte beginnt eigentlich viel früher. In einer kleinen Sackgasse im Nordosten Englands.
Wharfedale Gardens. Hausnummer 9.
In den 1940er-Jahren verließ meine Großtante Mutzi ihre Heimatstadt Graz und folgte der Liebe nach England. Gemeinsam mit ihrem Mann Billy lebte sie fortan in Blyth, einer Hafenstadt an der rauen Nordseeküste.
Als Kind besuchte ich die beiden in den 1970er-Jahren immer wieder. Für mich war es eine andere Welt. Die roten Backsteinhäuser, der unverwechselbare Geruch von Kohlefeuern, Fish & Chips und die salzige Luft der Nordsee sind mir bis heute in Erinnerung geblieben.
Besonders aber das kleine Backsteinhaus meiner Großtante, das wie aus einem englischen Bilderbuch wirkte. Davor spielte ich mit meinen Großcousins Fußball, verbrachte unbeschwerte Tage und entdeckte ein England, das mich nachhaltig geprägt hat.
Die kleine Sackgasse hieß Wharfedale Gardens. Das Haus trug die Nummer 9.
Damals war es einfach eine Adresse, an der ich mich besonders wohlfühlte. Jahrzehnte später sollte sie zum Namen meiner Manufaktur werden.
Der Gin, den ich nicht fand
Meine Begeisterung für klassische Spirituosen begleitet mich seit vielen Jahren. Auch meine Zeit hinter dem Tresen der legendären Hemingway Bar in Graz hat meinen Geschmack und mein Verständnis für die großen Klassiker entscheidend geprägt.
Besonders faszinierten mich alte englische Gin-Abfüllungen. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich einige dieser Flaschen öffnete und jenen unverwechselbaren, ursprünglichen Gin-Geschmack entdeckte: trocken, wacholderbetont, klar und von einer bemerkenswerten Balance.
Genau diesen Charakter suchte ich später wieder.
Es gab und gibt hervorragende Gin-Produzenten und eine beeindruckende Vielfalt guter Destillate. Doch keiner der Gins, die ich probierte, entsprach vollständig meiner ganz persönlichen Vorstellung eines klassischen London Dry.
Also beschloss ich, meinen eigenen Gin herzustellen.
Nicht, weil es keine guten Gins gab. Sondern weil ich meinen noch nicht gefunden hatte.
Vom eigenen Gin zur eigenen Manufaktur
Zunächst destillierte ich ausschließlich für mich, meine Familie und Freunde. An eine kommerzielle Nutzung dachte ich nicht. Ich wollte einen Gin schaffen, den ich selbst mit Freude pur trinken würde und bei dem für mich jedes Detail stimmte.
Doch nach und nach kamen immer mehr Anfragen. Menschen, die meinen Gin probiert hatten, wollten weitere Flaschen. Irgendwann entstand daraus der Entschluss, ihn auch anderen zugänglich zu machen.
So wurde aus einer persönlichen Leidenschaft Wharfedale Gardens. Und mein erster Gin erhielt den Namen Old No. 9 – London Dry Gin.
Benannt nach jenem Haus in England, das für mich bis heute so viele Erinnerungen bewahrt. Old No. 9 ist meiner Tante Mutzi gewidmet.
Klassisch aus Überzeugung
Meine Vorliebe für klassische Spirituosen hat sich seither nicht verändert.
Ich schätze Destillate, die ihren traditionellen Charakter bewahren, statt jedem neuen Trend zu folgen. Nicht möglichst viele Zutaten, ungewöhnliche Kombinationen oder ständig neue Geschmacksrichtungen interessieren mich, sondern die Frage, wie gut sich ein Klassiker in seiner ursprünglichen Idee verwirklichen lässt.
Reduce to the MAX ist die Philosophie, die daraus entstanden ist: sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und diesem die größtmögliche Aufmerksamkeit zu schenken.
Diese Haltung bestimmt nicht nur meine Rezepturen, sondern auch die Art, wie ich arbeite. Ich habe mich für eine kleine, traditionelle Herstellung entschieden, bei der ich jeden Schritt selbst begleiten kann. Weder die Produktionsmenge noch eine ständige Verfügbarkeit sollen darüber entscheiden, wie ich meine Spirituosen herstelle.
Mehr über meine Philosophie und die traditionelle Herstellung.
Was mit einem klassischen London Dry begann, hat sich inzwischen zu einer kleinen Kollektion entwickelt: Gin, Wodka und ausgewählte Edelbrände, jeder auf seine Weise eine persönliche Interpretation seines jeweiligen Klassikers.
Die Editionen von Wharfedale Gardens entdecken.
Wharfedale Gardens ist für mich bis heute mehr als der Name einer Manufaktur. Es ist eine Erinnerung an meine Kindheit, eine Hommage an besondere Menschen und der Ausdruck einer ganz persönlichen Vorstellung von gutem Geschmack.
Markus Schlamadinger
Gründer & Master Distiller, Wharfedale Gardens